Warum Europa auch für Thüringen wichtig ist

Am 9. Mai findet seit 1986 der Europatag oder Tag der Europäischen Union statt. Er erinnert an die Pariser Rede des damaligen französischen Außenministers Robert Schumann aus dem Jahr 1950, aus welcher die Gründung der Europäischen Gemeinschaft hervorging – die Grundlage der heutigen Europäischen Union (EU). Zur Bedeutung der EU bzw. Europas war zur Europawahl das folgende Interview mit mir auf der Homepage des AWO Landesverbandes Thüringen e.V. veröffentlicht.

Was bedeutet der offizielle Europatag für Sie als AWO Thüringen?
Zu allererst steht für uns die lange Zeit des Friedens in Europa. Diesen zu erhalten ist unser aller Aufgabe. Unsere Werte der AWO stehen im Geiste Europas, das müssen wir auch ins Europawahljahr tragen, gerade wenn Nationalismus wieder aufkeimt.

Welche Themen sind Ihnen besonders wichtig?
Die AWO hat auf Bundesebene Wahlprüfsteine entwickelt, welche verschiedene Themen ansprechen. Als AWO in Thüringen haben wir uns in den letzten Monaten vor allem mit dem Thema Daseinsvorsorge und Soziale Dienstleistungen beschäftigt. Für die AWO ein zentrales Thema im Europawahljahr. Eigentlich ist das in Thüringen unser Kernthema. Vor allem im ländlichen Raum müssen wir auch bei den zukünftigen Schrumpfungsprozessen dafür sorgen, das ein gutes Leben möglich ist, zentrale Dinge des täglichen Lebens gewährleistet sind. Im Herbst werden wir uns in einer Veranstaltung mit dem Thema Mobilität und Daseinsvorsorge im ländlichen Raum beschäftigen.

Ein weiteres Thema der AWO Wahlprüfsteine ist internationale Mobilität. Inwieweit spielt das für Thüringen eine Rolle?
Der Wahlprüfstein bezieht sich auf die Punkte Arbeit, Bildung und Engagement. Erst kürzlich veranstalteten wir als AWO Thüringen eine Gesprächsrunde, die offene Unternehmens- und Willkommenskulturen in Thüringen zum Thema hatte. Auf Grund der demographischen Entwicklung brauchen wir ausländische Fachkräfte um zum Beispiel eine gute Pflege gewährleisten zu können. Um Integration im Unternehmen und vor Ort zu gewährleisten hat die AWO Thüringen ein eigenes Team Integration ins Leben gerufen. Ausdrücklich muss es aber auch darum gehen bei internationaler Mobilität Menschenrechte mitzudenken. Deshalb fordert die AWO eine neue europäische Flüchtlingspolitik. Auch die Menschen, die auf Grund von Krieg und Verfolgung in Thüringen ankommen brauchen nicht nur Schutz, sondern auch eine Perspektive von Ausbildung und Arbeit.

Wie kann sich die AWO darüber hinaus engagieren, um den europäischen Gedanken weiter zu stärken?
Wir reden ja im Moment viel über Generationsverantwortung und Jugend. Ich denke, dass man genau hier, bei den jüngeren Generationen ansetzen muss. Ihr Gefühl und ihre Lust auf Europa muss weiter gefördert werden. Das Landesjugendwerk der AWO ist seit Jahren in der internationalen Jugendarbeit aktiv, organisiert internationale Jugendbegegnungen und hat viele europäische Partnerorganisationen beispielsweise in Ungarn, Rumänien, Frankreich und Polen. Gerade gestern luden im Rahmen eines trilateralen Projektes Jugendliche aus Nord-Mazedonien, Frankreich und Thüringen gemeinsam ins AWO Jugendhaus in Bad Blankenburg ein, um an das Ende des Zweiten Weltkrieges zu gedenken und den Frieden in Europa zu feiern. Ein schönes Beispiel, welches zeigt, wie die Jugend Europa heute lebt und wie wir diesen Gedanken auch als AWO mit unserm Jugendwerk mitgestalten können.